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Frische Schweizer Küche and Around the World

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Solidarität II

9:59 am

OFFENERBRIEF

 

Sehr geehrte Damen und Herren

 

Zu meiner Person:

Marcel Winkelmann, Inhaber des Restaurants Marcel’s Marcili, Marzilistrasse 25, 3005 Bern

 

Seit nun einem Jahr hält uns das Coronavirus SARS-CoV-2 fest im Griff und hatte und hat einschneidende Veränderungen in allen Bereichen unsere allen Lebens nach sich gezogen.

Hierzu meine Gedanken zu den angeordneten Massnahmen, sowie der erfolgten vermeintlichen Unterstützung des Gastgewerbes und der Hotellerie.

 

  1. Ein Kredit in der Höhe von 10% des Jahresumsatzes, welcher einem Jahres-Umsatzeinbruch von über 40% gegenübersteht. Mag wohl eine kurzfristige finanzielle Stütze oder Krücke sein! Doch in Wahrheit sind es für den Betreib Schulden.
  2. Kurzarbeit was heisst das?

Der Staat bezahlt 80% eines Gehalts basierend auf den Stunden, welche vom Arbeitnehmer nicht geleistet werden konnten. Da schlichtweg keine Arbeit mehr vorhanden ist und somit auch keine Einnahmen. Man könnte meinen dies sei in erster Linie eine Hilfe für den Betreib.

Doch ist es das wirklich?

Für den Arbeitnehmer auf jeden Fall nicht! Denn dieser muss auf einen beträchtlichen Teil seines Gehalts verzichten. Ausser, wenn der Arbeitgeber sich verpflichtet fühlt aus sozialem Engagement weiterhin das Salär vollumfänglich zu 100% auszuzahlen. (So wie im Marcels Marcili)

Es kann wirklich zutreffen, dass durch diese Entschädigung des Bundes Fachkräfte dem jeweiligen Betrieb erhalten bleiben. Für meinen Kleinbetreib, welcher starken saisonalen Schwankungen unterliegt ist dieser Aspekt nicht wirklich System relevant. Denn wo kein Umsatz erwirtschaftet oder nichts geerntet werden kann, braucht es auch keine Mitarbeiter. Der Staat schütz sich damit in erster Linie selbst und überträgt die ganze Last und Verantwortung den Unternehmern. Zusätzlich wird dies sogenannte Unterstützung durch mehrmalige, unnötige und befristete Anmeldeverfahren künstlich verkompliziert.

  1. Arbeitgeber haben keinen Anspruch auf Kurzarbeitsunterstützung! Mit der Begründung, dass der Arbeitgeber Einfluss auf den Geschäftsgang nehmen kann!

Das mag wohl in einer begrenzten Maas und unter normalen Umständen zutreffen. Doch mit Sicherheit nicht während einer Pandemie, wo der Staat einschneidende Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung beschliesst , wo Menschen ihr Verhalten komplett ändern und auf Empfehlung des Bundesrates nicht mehr ins Restaurant gehen und im Homeoffice arbeiten.

Da steigt in mir die Frage auf, weshalb zahle ich seit fast 40zig Jahren die geforderten ALK-Beiträge, sei es nun als Arbeitnehmer oder Arbeitgeber, um dann in einer solchen prekären und Geschäfts bedrohenden Situation keine Unterstützung zu erhalten. Auch Arbeitgeber haben Familie und müssen privat über die Runden kommen.

 

  1. Thema Mietzins: Erklären Sie mir kurz, warum ein Arbeitsvertrag von einem Tag auf den andern, in Bezug auf den Lohn abgeändert werden kann (80%). Bei einem Geschäfts-Mietvertrag scheint dies jedoch nicht möglich!? Ein grosser Aufschrei seitens des Mieterverbandes und keiner von Seiten der Arbeitnehmerverbänden!???
  2. Aus welchem Grund nimmt der Staat Betriebs-Versicherungen nicht in die Pflicht?!
  3. Umsatzeinbruch auf ganzer Linie. Bei einem reduzierten Platzangebot und durchwegs schlechterer Gästefrequenz ist auch während den möglichen Öffnungszeiten kein normaler Umsatz zu erreichen.

 

Bis heute hat der Staat meiner Ansicht nach dem Gastgewerbe und der Hotellerie keine einzige direkte und solide finanzielle Hilfsmassnahme zukommen lassen. Sondern versucht sich in erster Linie selbst zu schützen und den Wirtschaftsplatz Schweiz. Das Gastgewerbe und die Hotellerie sind auch Teil der Wirtschaft und dies nicht zu knapp. Wo bleibt die Solidarität?

Bis heute haben Sie den wirtschaftlichen Schaden zwar erfolgreich aufgeschoben! Sollte jedoch in absehbarer Zeit keine handfesten finanziellen Hilfspakete geschnürt werden, dann wird der wirtschaftliche Tsunami, resultierend aus den Konkursen in der Hotellerie und dem Gastgewerbe, mehr Arbeitslose und Kosten verursachen als nur einen Berg so hoch, dass er schneesicher ist, um die nächste Winter-Olympiade darauf auszutragen. Vielen Dank Herr Maurer für den nicht so tiefgründigen, wohl witzig gemeinten Vergleich. Ich konnte nicht darüber lachen.

Es geht um Menschen und deren Familien, welche um Ihre geschäftliche Existenz bangen und ums Überleben kämpfen. Während nun einem Jahr ist und war es nie nur eine finanzielle Herausforderung, sondern ebenso eine enorme psychische Belastung. Eine Belastung geboren aus der Ungewissheit wie es weiter geht. Eine Belastung herbeigeführt durch die angeordneten Massnahmen ohne geleichzeitige handfeste finanzielle Unterstützung. Ohne wirkliche Solidarität gegenüber den tausenden KMU’s! Frisch und froh verschiebt sich weiterhin das Geld von unten nach oben. Solidarisch, sozial und verantwortungsvoll sieht für mich anders aus.

 

Herzlichen Dank fürs Lesen und Handeln