Marzilistrasse 25, 3005 Bern
031 311 58 02

Frische Schweizer Küche and Around the World

Montag bis Freitag
Samstag

Der Wirt wird zum Schreiberling 31.08.2021

11:33 am

Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion

Amt für Arbeitslosenversicherung

Rechtsdienst

Lagerhausweg 10

3018 Bern

 

Bern, 27.08.2021

Fragebrief Nr. 342 052 946

Sehr geehrte Damen und Herren

Danke für Ihr Schreiben. Etwas irritiert habe ich gelesen, dass der Arbeitsausfall ausschliesslich aufgrund des Coronavirus von Seite Marcels Marcili geltend gemacht wird. Kann es sein, dass das Beiblatt mit den Antworten 9a bis 12 nicht von mir angeheftet wurde?

Das ursprünglich geschriebene Beiblatt mit stichwortartiger Begründung liegt bei.

Ausführlicherer Bericht:

Abgesehen von den immer noch geltenden Massnahmen, die der Bundesrat nun schon seit Monaten in Kraft gesetzt hat und die uns mit Sicherheit noch einige Monate erhalten bleiben, wie:

  • Abstand im Innen-, wie im Aussenbereich der Tisch (sprich stark reduziertes Platzangebot)
  • Erfassen der Gästedaten im Innenbereich (es gibt eine nicht zu unterschätzender Teil der Kundschaft, welche keine Erfassung wünscht und daher weiterhin auf einen Restaurantbesuch im Innenbereich verzichtet.)

Die Covid-Situation wirkt sich damit auch weiterhin negativ auf den Geschäftsverlauf aus.

Mit den Angekündigten Massnahmen für die kommenden Monaten. Wo Menschen in zwei Klassen eingeteilt werden und nur Gäste mit einem der 3 G’s gültigen Zertifikat Einlass in das Restaurant erhalten, wird den Geschäftsverlauf zusätzlich negativ beeinflussen und weiterhin belasten.

Von Covid Entspannung oder, dass die Massnahmen keinen Einfluss auf den Geschäftsverlauf mehr haben oder werden, kann keine Rede sein.

Möglicherweise würde die Situation positiver aussehen, wenn uns kurz nach dem zweiten Lockdown und der ermöglichten Wiedereröffnung  der Terrasse, die harsche Wettersituation nicht einen dicken Strich durch diese Möglichkeit gemacht hätte.

Das Marcels Marcili Restaurant liegt gleich neben dem Marzilibad und die Sommersaison ist ganz klar unsere Hauptsaison. Es ist in dieser Zeit, wo wir die Rücklagen für die Kosten wie Versicherung, 13. Monatslohn etc. erwirtschaften.

Diese Einnahmen sind im wahrsten Sinne ins Wasser gefallen zum einen die langanhaltende schlechtwetter Phase und zum anderen die angespannte Hochwassersituation im Juli, welche die prekäre und bedrückende Lage noch verschärft hat.

Ab dem 10.08.2021 wurden die Biber-Schutzdämme aufgebaut und der Take Away Eingang ab- und zugesperrt und das Restaurant war nur noch über den hinteren Teil der Marzilistrasse zugänglich. Eine äusserst ungünstige Situation, um Gäste ins Marzili oder eben in das Marcels Marcili  Restaurant zu führen.

Das Wochenende vom 17./18. August brachte uns die Hochwasserstufe 5. Kein Verkehr, keine parkierten Autos mehr und keine Fussgänger. Alles kam vollständig zum Erliegen.

Und was bringen uns nun die kommenden Monate?

Gäste, die verunsichert sind und nicht in Innenräumen sitzen wollen aus Angst, sie könnten sich mit dem Covid-Virus anstecken oder den Virus an andere Gäste übertragen.

Gäste, die uns nicht mehr besuchen, da sie sich nicht impfen oder testen lassen wollen und so voraussichtlich keinen Zugang mehr ins Restaurant erhalten werden.

Ich denke, dass weder Kinos und andere Betriebe, welche diese Massnahmen schon jetzt umsetzten, annähernd die Umsätze erreichen, welche sie vor der Pandemie erreicht haben. Wie sollte dies dem Marcels Marcili gelingen? Einlass Massnahmen umzusetzen und Covid-Zertifikate zu kontrollieren, gehört nicht zu meinen Aufgaben. Verständlich bei Grossanlässe doch geschäftsschädigend für einen Kleinbetreib wie das Marcels Marcili.

Mit einer Radikalisierung der Bürger und Bürgerinnen ist zu rechen und die damit verbundenen Diskussion in meinem Restaurant, welche schon jetzt zunehmen, möchte ich mich wirklich nicht noch mehr beschäftigen müssen.  Man kann sich fragen, wie viel hält eine Demokratie an Massnahmen aus? Welche mit Fakten zu begründen immer schwieriger und  kaum noch nachvollziehbar sind. Und somit auf ein wachsendes und grösser werdendes Unverständnis in allen Teilen der Gesellschaft stossen und diese  spalten.

Diese Situation ist schwierig für alle und jeder versucht das Beste aus seiner Position der Ungewissheit herauszumachen. Doch als Selbständiger, der nicht automatisch Ende Monat (wenn überhaupt Lohn)t den Lohn auf dem Bankkonto hat und sich zusätzlich um seine Mitarbeiter kümmert, ist es eine nervenaufreibende und angespannte Situation ohne absehbares Ende in Sicht.

Dies wird auch weiterhin so bleiben. Denn die Vorsicht der Gäste, das geringere Sitzangebot und die äusserst schlechte Frühlings-, Sommersaison tragen in keiner Weise zu einer Entspannung bei.

Hinzu kommt die zermürbende Ungewissheit, was noch auf uns zukommt. Der Herbst / Winter verspricht keine gesunde Entwicklung oder gar Erholung.

Danke und mit nachdenklichen Grüssen

Marcel Winkelmann

Marcel Marcili AG

Marzilistrasse 25

3005 Bern